Tourismuspreis für den Zoo (LVZ 01.12.2011)
Tourismuspreis für den Zoo (LVZ 01.12.2011)
Bremer erwartet mit 2,1 Millionen Übernachtungen in Leipzig neuen Rekord / Gondwanaland bringt zusätzliche Gäste
Leipzigs Tourismusbranche ist weiter im Aufwind: So wird erwartet, dass in diesem Jahr 2,1 Millionen Gäste in den Hotels und Pensionen übernachten. Im Vorjahr wurde erstmals die Schallmauer von zwei Millionen Übernachtungen durchbrochen. Nicht unschuldig am Aufwärtstrend ist der Zoo, der gestern den Leipziger Tourismuspreis 2011 erhielt.
Das Jahr ist zwar noch keineswegs zu Ende: Doch auch der Weihnachtsmarkt beschert vielen Hotels volle Betten, die Übernachtungszahlen bis November liegen vor. Da ist eine Prognose erlaubt. "Ich bin stolz, dass wir wieder ein Rekordjahr erwarten dürfen. Vorsichtig geschätzt, werden wir bei 2,1 Millionen Übernachtungen liegen", sagte Volker Bremer, der Geschäftsführer der Leipzig Tourismus und Marketing (LTM) GmbH. Daran hat auch der Zoo seinen Anteil, der spätestens seit Eröffnung von Gondwanaland nicht nur Tagesbesucher anzieht. Das machte sich bereits im August in der Statistik bemerkbar. Die Hoteliers machten laut Bremer bessere Geschäfte als zu Zeiten der Messe Games Convention, die Leipzig bekanntlich wegen ihres Erfolges an Köln verlor. Laut Bremer gab es in diesem Jahr "den besten August aller Zeiten". So übernachteten 24000 Gäste mehr in den Hotels als in den Jahren der Games Convention, die als Publikumsmagnet galt. Weil der Zoo ebenso ein Magnet ist, wurde er auch geehrt: Er ist der diesjährige Gewinner des Leipziger Tourismuspreises 2011, den die LTM GmbH seit 2002 jährlich ausschreibt.
Dafür waren 20 innovative Leistungen nominiert worden, die den Tourismus in Leipzig voran gebracht haben und jeweils eine hohe Medienwirkung erzielten. Eine aus zehn Marketingfachleuten bestehende Jury hat dann letztlich die drei Preisträger ausgewählt. Zoochef Jörg Junhold freute sich riesig über den Sieg: "Hier müssten allerdings 165 stolze Zoomitarbeiter stehen - denn Gondwanaland ist eine Mannschaftsleistung", betonte er. Junhold erwartet ebenfalls einen Besucherrekord. Bereits nach den ersten vier Monaten wurde in der Tropenerlebniswelt der einmillionste Besucher begrüßt. "Dieser Zuspruch macht uns stolz - und spornt uns gleichzeitig an, unsere Arbeit auf höchstem Niveau fortzusetzen." Junhold hofft, bis Jahresende an der Zwei-Millionen-Marke zu kratzen.
Den zweiten Platz belegte das Gewandhaus zu Leipzig, das mit dem Internationalen Mahler-Festival im Mai 2011 für einen musikalischen Glanzpunkt sorgte. Dabei wurden bei 14 Konzerten von zehn internationalen Orchestern alle Sinfonien Gustav Mahlers aufgeführt - allesamt nahezu ausverkauft. Dabei wurden mehr als 26500 Gäste aus der ganzen Welt im Gewandhaus begrüßt. "Das Festival hat uns viel internationale Aufmerksamkeit gebracht", so Gewandhausdirektor Andreas Schulz: "Nun überlegen wir, ob wir 2014 ein Richard-Strauß-Festival in ähnlicher Weise durchführen."
Noch nicht eröffnet, aber auch außerhalb Leipzigs bereits in vieler Munde ist die Notenspur, die ab 12. Mai 2012 zur Attraktion werden soll. "Diese erzielt schon jetzt eine große mediale Wirkung und rückt die Vorzüge der Musikstadt Leipzig in das richtige Licht", so Bremer. Für das große bürgerschaftliche und auch persönliche Engagement erhielt die Notenspur-Initiative um Werner Schneider den dritten Platz des Tourismuspreises.
Alle drei Preisträger gelten auch für die nächsten Jahre als Zugpferde: "Mir ist nicht bange, Leipzig hat viel zu erzählen und zu bieten", so Bremer. Das Jubiläum 800 Jahre Thomana 2012 sei ein Beispiel dafür. Ein Höhepunkt wird dann auch der Germany Travel Mart GTM sein. Die wichtigste Verkaufsmesse für den Deutschland-Tourismus, zu der 650 internationale Gäste aus 40 Ländern erwartet werden, findet Mitte Mai erstmals in Leipzig statt. Vielleicht hat das auch Strahlkraft auf ausländische Besucher. Bei ihnen ist der Markt 2011 ein wenig eingebrochen. Besonders was die Gäste aus Amerika anbelangt. Wurden für 2010 noch 79334 Übernachtungen von US-Amerikanern vermeldet, sind es in diesem Jahr etwa 67300. Da mag wohl auch der Tatsache geschuldet sein, dass weniger Crews in Leipzig schlafen, die Soldaten in die Kriegsgebiete fliegen. "Es gibt aber auch Einbußen bei Ländern wie den Niederlanden oder Frankreich", so Bremer. "Dafür legen wir - im Gegensatz zu Dresden - auf dem deutschen Markt deutlich zu."
Standpunkt
Ein Joker für Gastgeber
Von Mathias Orbeck
Es war keine Überraschung: Gondwanaland ist die touristische Attraktion Leipzigs in diesem Jahr. Die Tropenerlebniswelt, die 540 Tier- und Pflanzenarten auf 16500 Quadratmetern Fläche einen tropischen Lebensraum bietet, ist einzigartig. Deshalb hat der Zoo den Tourismuspreis wahrhaftig verdient. Zumal er sich - erinnert sei an die schielende Heidi - auch gut vermarktet.
Mittlerweile ist das Angebot so groß, dass Tagesbesucher Gondwanaland, Zoo und Sehenswürdigkeiten in der City nicht mehr binnen 24 Stunden schaffen. Davon profitieren Gastgeber, Hotels wie Gastronomie, die mit dem "Zoo der Zukunft" wohl einen Joker gezogen haben. Denn plötzlich kommen auch Freizeittouristen, die mit Bach & Co. eher nicht hinterm Ofen hervorzulocken sind. Bei aller Euphorie sollte aber eins klar sein: Ein Selbstläufer ist Gondwanaland deshalb nicht. Im nächsten Jahr werden wohl viele zusätzliche Busse an die Pfaffendorfer Straße rollen. Ob der Besucherstrom über Jahre anhält, muss sich aber erst zeigen. Denn viele Leute haben ihre Neugier dann erst einmal gestillt.
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