Bald 400 Jobs beim MOMOX (LVZ 24.01.2012)

 

Erster Mieter im früheren Quelle-Areal wächst kräftig / Auch Logistik-Firma Rudolph nutzt Hallen

Tausende Bücher, CDs und DVDs treffen jetzt jeden Tag auf dem früheren Quelle-Areal im Leipziger Norden ein. Der Internet-Händler Momox.de baut dort sein europäisches Logistik-Zentrum auf. Aus den heute 150 Jobs sollen bis zum Jahresende 400 werden.
"Ein paar Tage später - und wir hätten diesen Schatz wohl nicht mehr bekommen", erzählt Oliver Dahms. Er ist kaufmännischer Geschäftsführer bei Momox, betreut für den Berliner Internet-Händler insbesondere den Logistik-Bereich. Doch seit zwei Monaten ist Dahms regelmäßig in Leipzig. Wie die LVZ exklusiv berichtete, hatte sich Momox im November 2011 als erster neuer Mieter eine Halle in dem lange geschlossenen Versandzentrum gesichert. Es war die Halle 21 mit 10800 Quadratmetern. Eines der ersten Gebäude hinter dem Tor 1 von Europas ehedem größten Versandzentrum in Leipzig.

10800 Quadratmeter sind dabei nur die Grundfläche der Halle. Noch aus Quelle-Zeiten verfügt sie über vier Etagen mit allerlei Hochregalen und Förderbändern. "Das Erdgeschoss haben wir jetzt schon mit Ware gefüllt, bereiten gerade die zweite Ebene als Lager vor", erklärt der Fachmann, der früher auch für Amazon Logistik-Standorte aufgebaut hat. "Einst war das hier der Kommissionsbereich für Saisonartikel.Zu Quelle-Zeiten wurden Zehntausende Staubsauger oder CD-Spieler auf großen Paletten angeliefert. Bei dem Handelsvolumen hatte jedes Haus nur eine Funktion." Gegenwärtig werde geprüft, welche Teile der Förder- und Sortieranlagen für die eigenen Zwecke nutzbar sind. "Schließlich müssen wir alle Funktionen zunächst in einem Haus erfüllen und erhalten die Ware nicht auf Paletten, sondern in Tausenden Päckchen."

Momox ist ein schnellwachsendes Unternehmen. 2003 hatte Firmengründer Christian Wegner die Idee, eine eigene Internet-Plattform für den Ankauf gebrauchter Bücher, CDs DVDs und Computerspiele zu gründen. Er war damals arbeitslos, sein Startkapital betrug 1500 Euro. 2011 erzielte die - von Anfang an profitable Firma - einen Rekordumsatz von 40 Millionen Euro. Das waren 74 Prozent mehr als noch 2010. Auch der Gewinn stieg weiter, betrug mehr als 700000 Euro. Inzwischen hält der Medienkonzern Burda eine Beteiligung an Momox. Wegners Firma hat jüngst Ableger in Frankreich, Großbritannien und Österreich gegründet, verkauft qualitätsgeprüfte Zweite-Hand-Waren heute nicht mehr nur über Ebay oder Amazon weiter, sondern auch über eine eigene Web-Seite (Medimops.de).

150 Mitarbeiter hat Momox bislang in Leipzig eingestellt. Zum Beispiel Tina Frank aus Mölbis, die über eine Anzeige in der LVZ von dem neuen Arbeitgeber erfuhr. Die 31-jährige Bürokauffrau und Mutter kündigte extra einen anderen Job, "weil ich hier bessere Perspektiven, auch eine Aufstiegschance sehe". Oder Dennis Beyer aus Taucha, der von der "tollen Arbeitsatmosphäre" schwärmt. Nach kurzer Arbeitslosigkeit ist der 28-jährige kaufmännische Assistent froh, wieder einen festen Job zu haben.

"Bis zum Jahresende werden wir in Leipzig 400 feste Stellen in Vollzeit und Teilzeit haben", erläutert Dahms. Von hier aus werde künftig das gesamte Auslandsgeschäft abgewickelt, zudem der ganze Handel mit Elektronik wie Handys, Tablett-Computern oder Spielkonsolen. "Fest steht auch, dass wir noch eine gleichgroße Nachbarhalle als Verpackungszentrum anmieten. Die Technik dafür ist ja bereits vorhanden."
Wenn Momox sich im November nicht für Leipzig als zweiten Standort entschieden hätte, wären die Quelle-Einbauten wohl kurz darauf verschwunden, meint Dahms. Wie schnell so etwas geht, kann jetzt in drei weiteren Hallen besichtigt werden, wo gerade Platz für eine Logistik-Firma aus Kassel geschaffen wird. "Die Firma Rudolph lagert und verpackt dort Pressteile, die aus dem Leipziger BMW-Werk stammen", erklärt BMW-Werkssprecher Jochen Müller. "Es ist eine temporäre Anlauf-Unterstützung für unser neues Werk in China, wo die Teile noch nicht gepresst werden können." Tatsächlich werden in einer früheren Quelle-Halle, die schon umgestaltet ist, nun Teile von Autotüren sicher in große Holzkisten verpackt.

Großen Anteil an der erfreulichen Entwicklung haben die hiesigen Firmen GRK Holding und Vicus AG. Im März 2011 erwarben sie das damals verschlossene Areal. "Als Eigentümer des Geländes freuen wir uns jetzt vor allem über die neuen Arbeitsplätze in Leipzig, nachdem eine Bank als Vorbesitzer hier nichts zustande brachte", sagt GRK-Chef Steffen Göpel.Jens Rometsch 

Jochen Müller: Die Firma Rudolph lagert und verpackt dort Pressteile, die aus dem Leipziger BMW-Werk stammen. Es ist eine temporäre Anlauf-Unterstützung für unser neues Werk in China.

Steffen Göpel: Als Eigentümer des Geländes freuen wir uns jetzt vor allem über die neuen Arbeitsplätze in Leipzig, nachdem eine Bank als Vorbesitzer hier nichts zustande brachte.

 

* Texthervorhebungen dienen ausschließlich einer plakativen Darstellung. Eine Haftung für die Richtigkeit kann nicht übernommen werden.

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