Leipzig erster Handelsplatz in Ostdeutschland (LVZ 29.02.2012)

 

Stabile Spitzenmieten seit 2008 / Höfe am Brühl beeinflussen bereits die City

Leipzig ist nach wie vor die erste Handelsmetropole in Ostdeutschland. In den wichtigsten Einkaufsstraßen - Petersstraße gefolgt von der Grimmaischen - betragen die Ladenmieten bis zu 115 Euro pro Quadratmeter. Damit kommt Leipzig nicht unter die Top Ten im Metropolenranking von Einzelhandelsspezialisten wie Comfort (Platz 12) oder Jones Lang LaSalle (Platz 15).


Die unterschiedliche Platzierung lässt sich auf Unterschiede in der Datenerhebung zurückführen. Unabhängig davon ist die Tendenz für Olaf Titze, Leipziger LaSalle-Niederlassungsleiter, dieselbe. Leipzig kann mit westdeutschen Städten wie München, Frankfurt, Düsseldorf oder Hamburg nicht ganz mithalten. Ist aber - mit Ausnahme von Berlin - die ostdeutsche Stadt, die es am weitesten nach vorn geschafft hat - noch vor Dresden, wie Titze betont. 

Dabei haben sich die Spitzenmieten seit 2008 nicht geändert. Titze sieht das nicht als Manko. Zwar gebe es bundesweit eine starke Flächennachfrage internationaler Einzelhändler, die sich angesichts der Weltwirtschaftssituation "auf stabile Märkte, die sicherer und kalkulierbarer sind" konzentrieren. "Da steht Deutschland ganz oben." Diese erhöhte Nachfrage führe in anderen Städten bei knappem Angebot zu steigenden Mieten. In Leipzig aber gebe es noch Kapazitäten. "Die Stadt ist trotz Flächenerweiterungen stabil auf diesem Niveau", führt Titze den Ausbau von Nova Eventis, die Ladenzone des Uni-Neubaus oder den Umbau des Paunsdorf-Centers an. Hinzu komme, dass die Höfe am Brühl schon jetzt Mietverhandlungen beeinflussen. Mit dem Verweis auf die gut 27000 Quadratmeter Fläche ließen sich Preise drücken. Dass sie trotzdem stabil seien, spreche für die Qualität Leipzigs als Handelsstadt.

Die Höfe hätten also bereits Wirkung auf die City. "Interessant aber wird es mit der Eröffnung im Oktober." So wie es sich zurzeit darstelle, duplizieren die Höfe das City-Angebot. "Neue großflächige Konzepte sind jetzt nicht absehbar", so Titze. Die aber wären eine Chance für alle Beteiligten - als Ergänzung zur Innenstadt. Er befürchte, dass die Mieten in schwächeren Lagen etwas runter gehen. Dazu gehören für ihn die Nikolai- und auch die Hainstraße. In beiden Straßen gebe es genug Flächen, die unsaniert sind. Wenn die Höfe dazukommen, sieht Titze eine deutlich schwierigere Vermarktungssituation für diese Häuser.

Sicher, es gebe Marktforschungen, die besagen, dass die Stadt die zusätzlichen Quadratmeter am Brühl vertrage. "Ob das stimmt, wird sich erst zeigen." In Dresden etwa sei die Altmarktgalerie erst erweitert worden, als der Handel massiv Fläche nachgefragt habe. Diese Nachfrage bezweifelt er für Leipzig.

Auf die Nikolaistraße komme mit dem City-Tunnel ab Dezember 2013 noch ein weiteres Problem zu. Jetzt habe die Straße ein tolle Passantenfrequenz. Mit dem Tunnel und seiner Markthaltestelle könnten Fußgänger und damit Kunden ausbleiben. Damit würde die Straße für Händler weniger interessant.

Und mit den Höfen komme nicht nur für die Einzelhändler die Stunde der Wahrheit. Auch die beiden Kaufhäuser müssten sich auf das neue Angebot einstellen. Titze ist da optimistisch. Karstadt und Kaufhof hätten eine Ausrichtung gefunden, die sie genug unterscheide, um Kunden anzuziehen, und die heute funktioniere. "Die Häuser passen in die Stadt", ist Titze sicher. Zumal beide ringsum schon vor Jahren ausgedünnt hätten. Kaufhof etwa habe das Paunsdorf-Center und Nova Eventis aufgegeben, Karstadt sei nicht mehr in Halle präsent. 

 

* Texthervorhebungen dienen ausschließlich einer plakativen Darstellung. Eine Haftung für die Richtigkeit kann nicht übernommen werden.

AddThis Social Bookmark Button